Michael von Prollius

Zentralbanken bringen aufgrund ihrer Monopolmacht Geld in Umlauf: endgültig als Bargeld, durch Kauf von Finanzaktiva wie Wertpapiere, Aktien und Devisen, außerdem schließlich zeitweise vor allem durch Kredite an die Geschäftsbanken, vielfach gegen notenbankfähige Sicherheiten wie Wertpapiere – das können in Krisenzeiten auch griechische Staatsanleihen mit Schrottpapierstatus sein. Zugleich wird Geld „vernichtet“ wenn die Zentralbank Finanzaktiva verkauft oder ihre Kreditvergabe einschränkt. Geld wird zusätzlich durch Kreditvergabe von Geschäftsbanken an andere Geschäftsbanken oder Kreditkunden geschaffen (Geschäftsbankengeld) – stets auf der Grundlage von Zentralbankgeld. Am Ende der Kreditlaufzeit muss das Geld wieder an die Bank zurückgezahlt werden, die vergrößerte Geldmenge schrumpft wieder.

Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken kann im Zentralbanksystem theoretisch nahezu unbegrenzt erfolgen; sie wird lediglich limitiert durch die vorgeschriebene winzige Mindestreserve (im Euroraum 2% – zudem muss eine Bank in Europa lediglich 8% Eigenkapital vorhalten) und die Barreserve. Die Möglichkeit, jederzeit frisches Geld von der Zentralbank zu bekommen (Refinanzierung durch Leihen von Zentralbankgeld, „Lender of last Resort“) sowie die Aussicht auf einen „Bail out“, setzt für die Geschäftsbanken den Anreiz, viele Kredite zu vergeben und so Kreditgeld zu schaffen. Die Geldmenge ist dementsprechend auch in Nicht-Krisen-Zeiten kontinuierlich gestiegen.

Die Geldpolitik der Zentralbank kann diesen Prozess verstärken, durch (willkürliches) Absenken des Leitzinses, wodurch die Geschäftsbanken Geld billig bekommen können und durch den Kauf von Wertpapieren oder die Annahme risikoreicher Papier. Im Fall Griechenlands funktioniert das so: Die EZB gibt frisches Zentralbankgeld an die Geschäftsbanken, die Staatsanleihen von der Bundesregierung gezeichnet und als Sicherheit eingereicht haben. Für griechische Staatsanleihen mit einer dreijährigen Restlaufzeit beträgt die Rendite 25 Prozent und der Zins für das Geld von der EZB beträgt 1,25 Prozent. Für die Geschäftsbanken ist der „Deal“ risikofrei, da die EZB die Staatsanleihen nach Ablauf aufkauft. Ein falscher Zinssatz zieht offenkundig unweigerlich eine falsche Kapitalstruktur der Wirtschaft nach sich.

Beim Free Banking gibt es im wesentlichen zwei Wege, wie Geld herausgegeben werden kann. In einem Volldeckungssystem hängt die verfügbare Geldmenge von der Menge des vorhandenen Gutes ab, das als Geld dient, z.B. Gold (und Silber), sowie von der geförderten Menge dieses Gutes. Banken fungieren als Lagerhäuser für Gold (und Silber); sie geben Banknoten nur als Äquivalent des eingelagerten Gutes aus und vermitteln Kredite in Form einer Weiterleitung des Geldes.

In einem Teilreservesystem können die Geschäftsbanken nach eigenem Ermessen die Deckung ihrer Währung reduzieren. Im Unterschied zum Fiat Money, das per Gesetz zum Zahlungsmittel gemacht wird, handelt es hierbei um Fiduciary Money, treuhänderisches Geld, das mit dem (vertraglichen) Versprechen verknüpft ist, einen spezifischen Betrag in Form von Gold oder Silber zu bezahlen. Eine Banknote, die in einem Teilreservesystem faktisch einlösbar ist und als solche angesehen wird, stellt kein Fiat Money dar. Im Free Banking sorgen anders als im Zentralbanksystem nicht Vorschriften für eine Mindestreserve, sondern der Wettbewerb bestimmt den erforderlichen Reservesatz. Außerdem begrenzen Fiduciary Banksysteme die Geldschöpfung durch die verfügbare „Basisgeldmenge“ („M0“) in Form von Gold (und Silber), während es in Fiat Money Systemen praktisch keine Grenze für die Geldschöpfung gibt, absehbar auch nicht in einem hayekschen Wettbewerbssystem konkurrierender Banken, wenn es keine auszahlbare Sachgutbindung gibt. Der Geldschöpfung durch Kredite steht eine Geldvernichtung durch ihre Tilgung gegenüber. Volkswirtschaftlich betrachtet wird also zeitweise Geld geschaffen, und zwar solange wie die Kreditvergabe die Kredittilgung übersteigt. Das ist erforderlich, um auf eine steigende und sinkende Nachfrage nach Geld reagieren zu können. Nur so kann das monetäre Gleichgewicht gehalten werden, wenn nicht das Preisniveau monetär bedingt steigen und fallen soll.

Banken reduzieren also ihren Reservesatz, wenn sie merken, dass die Nachfrage nach Geld steigt. Das Ergebnis ist nicht Inflation, sondern die Vermeidung deflationärer Exzesse. Zugleich wird so die erforderliche Koordination zwischen Marktzinssatz und natürlichem Zinssatz ermöglicht.