Hans Heckel schreibt heute im Ostpreußenblatt zur politischen Großwetterlage:

„Ein bleierner Überdruss hat sich über Deutschland gelegt. Euro-Krise? Koalitionskrach? Eine orientierungslose Opposition, die sich in billigen Sozialneid flüchtet? Was eben noch für heftige Debatten im Volk gesorgt hätte, löst dort nur noch mürrisches Kopfschütteln aus.

Politischen Debatten unter Bürgern, die eben noch mit Engagement ausgefochten wurden, haftet der Ruch des Zwecklosen an: Es geschieht doch ohnehin alles über unsere Köpfe hinweg.

Was sollte auch noch diskutiert werden? Die Deutschen beobachten seit Jahren, wie sich heilige Politiker-Schwüre über Nacht in Luft auflösen. Selbst das Wort der vermeintlich Großen der Politik verliert sich wie Sand im Winde, scheinbar feste Positionen werden reihenweise geräumt, nichts ist mehr verlässlich. Warum dann selber noch mehr dazu sagen als einen hingeschleuderten Fluch?

Die Stimmung spiegelt sich in der Medienlandschaft. Während Tageszeitungen und poltische Magazine über Leserschwund klagen, feiern Freizeitillustrierte wie „Landlust“ Abonnenten-Rekorde.

Für die politische Führung ist dies vordergründig eine behagliche Entwicklung: Nichts ist bequemer zu beherrschen als ein politisch passives Volk. Indes, die Passivität ruht eben nicht auf Zufriedenheit, sondern auf Frustration. In der DDR nannte man dies die „Flucht in die Nischengesellschaft“. Anfang des 19. Jahrhunderts, infolge des abge- schmetterten Aufbruchs demokratischer und patriotischer Bewegungen nach dem Sieg über Napoleon, sprach man vom „Biedermeier“.

Wir wissen, was jenen beiden Epochen folgte: gewaltige politische Eruptionen.“

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