Nicht nur in Griechenland hört man gegen Sparpläne der Regierung das „Kaufkraftargument“, namentlich von ver.di. Wenn man durch Gehaltskürzungen, Pensionsschnitte, gar Entlassungen von öffentlichen Angestellten (in Griechenland 1/5 der Erwerbsbevölkerung!) deren Kaufkraft beschneidet oder vollständig nimmt, so würde dies zu entsprechendem Nachfragerückgang bei Gütern und Dienstleistungen, somit schließlich zu deflationistischen Effekten und in eine Depression führen. Die „zarte Konjunkturpflanze könnte wieder welken“.

Was ist an dieser Argumentation falsch? Man sieht nur die Auswirkungen dieser Maßnahme auf die entlassenen öffentlich Bediensteten und die Händler, bei denen sie einkaufen. Aber es wird übersehen, dass die Steuerzahler, wenn diese Bürokraten nicht oder nicht so teuer beschäftigt werden, das Geld ja behalten könnten, das ihnen vorher zur Bezahlung der Staatsbeschäftigten abgeknöpft wurde. Das Einkommen und die Kaufkraft der Steuerzahler würden um wenigstens so viel zunehmen, wie das Einkommen und die Kaufkraft der entlassenen öffentlich Bediensteten abnehmen würde. Zudem ein weiterer positiver Effekt: Entlassene öffentlich Bedienstete müssen sich nunmehr in der Privatwirtschaft umsehen oder sich selbständig machen. Das Angebot von privaten Arbeitsgelegenheiten würde sich aus der zusätzlichen Steuerkraft der Steuerzahler ergeben. Aber natürlich bekommt man eine private Arbeitsgelegenheit nur dann, wenn man eine entsprechende Gegenleistung bringt. So wird aus den öffentlich Bediensteten, die auf Kosten anderer leben, Bürger, die etwas Nützliches, etwas wirklich Begehrtes leisten.

Es ließe sich das Kaufkraftargument ebenso gut auf einen Gangster oder Dieb anwenden, der mich bestohlen hat. Er hat dadurch ja mehr Kaufkraft! Er kann in Bars, Restaurants gehen, Nachtclubs besuchen, sich ein Auto leisten, einen Schneider beschäftigen. Aber was er dort ausgibt, fehlt mir, dem Beraubten. Wenn uns zwangsweise Steuern abgenommen werden, um damit auch überflüssige öffentliche Ämter zu unterhalten, haben wir die gleiche Situation. Man kann ja noch von Glück sagen, wenn die nutzlosen Bürokraten – wie sich das in unzähligen Beamtenwitzen spiegelt – es sich in ihren Amtsstuben gemütlich machen. Aber leider ist es wahrscheinlicher, dass sie versuchen werden, sich als „Reformer“ zu gebärden und uns mit überflüssigen Regulierungen das Leben zu erschweren, nach Art der jetzt 27 EU-Kommissare. Wenn sich für die Weiterbeschäftigung eines oder mehrerer Beamter als Argument nur noch die Bewahrung ihrer Kaufkraft anführen lässt, so schreibt Hazlitt in dem unten angezeigten Buch, ist das ein Zeichen dafür, dass die Zeit reif ist, sich ihrer zu entledigen.

Gerd Habermann

Literaturtipp: Henry Hazlitt: Economics! Über Wirtschaft und Misswirtschaft. In Lektion und Beispiel, Olzog-Verlag, München 2009.

Man kann in diesem Buch auch höchst Aktuelles über staatliche Zinsmanipulation, Sparen, Inflation, Mindestlöhne, Gewerkschaften, Staatskredit oder Branchenrettung lesen. Fast alle aktuellen wirtschaftspolitischen Irrtümer werden unterhaltsam abgehandelt.

Dieser Beitrag erschien als „Kommentar aus Berlin“ bei den Familienunternehmern.

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