Noch immer dominiert in Medienberichten das Urteil, die sogenannte „Finanz-“ oder „Finanzmarktkrise“ sei Folge unternehmerischen Versagens. Ursächlich seien insbesondere unzureichendes Risikomanagement der Finanzinstitute, spekulative Gier und per se instabile Finanzmärkte. In eine politische Formel verpackt lautet die überkommene Diagnose: Das Marktversagen im großen Stil ist Ausdruck einer epochalen Krise des (Finanz-)Kapitalismus.

Die Neue Zürcher Zeitung diagnostizierte angesichts derartiger, weit verbreiteter Ansichten eine „grotesk linke Meinungsführerschaft in den Medien“ und schrieb von einem „törichten Geschwätz vom Ende des Kapitalismus“. Der nicht als Anhänger eines Laisez-faire-Liberalismus verdächtige Philosoph Peter Sloterdijk urteilte in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Wir leben gegenwärtig ja keineswegs ‚im Kapitalismus‘ – wie eine so gedankenlose wie hysterische Rhetorik neuerdings wieder suggeriert -, sondern in einer Ordnung der Dinge, die man cum grano salis als einen massenmedial animierten, steuerstaatlich zugreifenden Semi-Sozialismus auf eigentumswirtschaftlicher Grundlage definieren muss. Offiziell heißt das schamhaft ‚Soziale Marktwirtschaft‘.“

Tatsächlich leben wir einem System des Korporatismus und nicht in einer kapitalistischen Ordnung. „Big Business“ und „Big Government“ haben die große Umverteilung organisiert, weg von der „Main Street“ hin zur „Wall Street“ oder vom Steuerzahler zu Unternehmen mit schlechten Produkten und Managern.

Die wahren Gründe für die „Große Rezession“ sind inzwischen von einer Reihe namhafter Autoren anschaulich herausgearbeitet worden. An erster Stelle steht bekanntlich die verfehlte Geldpolitik der Zentralbanken, allen voran der Fed, die die Vermögenspreisinflation insbesondere im Immobiliensektor ermöglicht hat. Hinzu kommt die destruktive Sozialpolitik im Stile einer „Häuser-für-jedermann-Politik“, die zu Moral Hazard angestiftet hat und das billige Geld in den Immobiliensektor lenkte. Die Staatstrusts Fannie Mae und Freddie Mac spielten bei der Anti-Marktpolitik eine wichtige Rolle. Vervollständigt wird der umfassende Interventionismus durch eine krisenverschärfende Regulierung. Das gilt in grundsätzlicher Form für den Finanzsektor einschließlich des Kartells der Rating-Agenturen, wie auch für den Immobiliensektor.

Die vermeintliche Krisenbekämpfung verschiebt lediglich die marktwirtschaftliche Korrektur staatlicher Fehlsteuerung. Sie belohnt gescheiterte Unternehmen und deren Manager mit Bonuszahlungen. Sie setzt durch das Aushebeln des marktwirtschaftlichen Sanktionsmechnismus den Anreiz zum „weiter so“ für all jene mit den richtigen Verbindungen. Zugleich werden keine Mühen gescheut, die korporatistische Misswirtschaft der funktionsuntüchtig gemachten Marktwirtschaft anzulasten.

Es kommt darauf an, dass jeder von uns sich für die Marktwirtschaft einsetzt. Die Marktwirtschaft ist unsere Lebensgrundlage. Die Marktwirtschaft hat eine Lebensqualität für die breite Masse ermöglicht, die noch vor einem oder zwei Menschenleben kaum vorstellbar war. Die Marktwirtschaft ist eine Errungenschaft des Westens. Wir sollten sie verteidigen, wo immer das möglich ist, in öffentlichen wie in privaten Diskussionen. Und da Angriff häufig die beste Verteidigung ist, sollten wir das offensiv und selbstbewusst tun.

Michael von Prollius

Dieser Artikel wurde zeitgleich veröffentlicht im Forum Ordnungspolitik.