Wir haben es leider nicht geschafft, den folgenden schönen Beitrag von Hajo Schumacher in der Welt vom 18. August 2009 unkommentiert zu lassen:

Lieber Horst Schlämmer,

Sehr geehrter Herr Schumacher,

Sie können ein klares Wort vertragen.

Sie bestimmt auch.

Deswegen hier mal ein paar Punkte, die manchen Menschen ganz gehörig auf den Sack gehen, wie man bei Ihnen in Grevenbroich so sagt. Erstens: Sie sind gar kein Politiker, sondern ein mehr oder weniger lustiger Komiker.

1a: Das könnte eine ziemlich beeindruckende Erkenntnis sein

1b: …wenn Horst Schlämmer denn Komiker wäre

1c: Hape Kerkeling ist zum Glück kein Politiker

1d: …aber dafür ein ziemlich lustiger Komiker

Sie nehmen sich alle Freiheiten dieses Staates, indem Sie heute diesen und morgen jenen veräppeln. Das ist Ihr gutes Recht.

Ja.

Zwei Punkte unterscheiden Sie von einem richtigen Politiker. Erstens: das Ziel. Sie wollen dieses Land nicht besser machen, gestalten oder opponieren – Sie wollen einfach nur Filmtickets verkaufen und Werbeverträge einheimsen. Das Land, die Bürger und ihre Probleme sind Ihnen egal; das kann man nicht mal von Politikern sagen, jedenfalls nicht von allen.

Zwei Punkte unterscheiden Sie von einem richtig guten Journalisten:

1. Sie bevorzugen ein schlechtes Gesetz vor einem guten Film

2. Sie glauben noch an die selbstlosen Absichten von Politikern

Zweitens: Sie machen sich einen verdammt schlanken Fuß. Putzfeudel auf das lichte Haupthaar, ein paar falsche Zähne, dazu ein fieser Dialekt – das mag Komik sein, ist aber noch lange nicht Politik.

Eine tiefgreifende Erkenntnis, ja.

Politik ist zäh und langweilig und immer nur ein Kompromiss, eben das Gegenteil vom flotten Spruch. Sie werden nie in die Verlegenheit kommen, Entscheidungen treffen zu müssen, über Kriege, über Sozialkürzungen oder Sterbehilfe.

Vielleicht wird es den Politikern auch bald zu zäh und langweilig und sie verkaufen einfach nur noch Filmtickets und heimsen Werbeverträge ein. Mit 560 echten Komikern im Bundestag wäre diesem Land doch schon einmal geholfen.

Sie übernehmen keine Verantwortung, sondern verstecken sich in Ihrer Witzewelt. Dass 18 Prozent der Deutschen Sie angeblich wählen würden, beweist nicht Ihre Großartigkeit als Komiker, sondern nur, dass etwa einer von fünf Landsleuten schlichtweg einen an der Waffel hat, wie Sie es ausdrücken würden.

Wollen Sie damit jetzt ausdrücken, dass Sie erkannt haben, dass das Ergebnis von demokratischen Abstimmungen fragwürdig ist, weil man nie sicherstellen kann, dass nur die richtigen Leute wählen, oder die Leute das Richtige wählen? Oder meinen Sie mit der Anspielung auf 18%, dass die FDP-Wähler einen an der Waffel haben, oder vielleicht einmal die Grünen-Wähler, oder bald auch die SPD-Wähler?

Womit wir beim Kern des Schlämmerschen Dilemmas wären: Sie sind nicht relevant.

Deswegen schreiben Sie darüber ja auch Artikel in einer nicht-relevanten Tageszeitung, um etwas vom nicht-relevanten Ruhm abzubekommen.

Sie saugen sich einfach nur fest an diesem Land, Sie sind eine Zecke am Allerwertesten der Demokratie. Sie nutzen deren Freiheiten, um sie lächerlich zu machen. Das ist nicht komisch, sondern schwach.

Wir haben den Faden verloren. Sprechen Sie gerade von Politikern oder Komikern?

Lieber Herr Schlämmer,

Sehr geehrter Herr Schumacher,

wenn Sie Cojones hätten, wie man auf Malle sagt, dann wären Sie tatsächlich zu dieser Wahl angetreten, hätten Unterstützer gesammelt, Ideen und sich durch die Mühsal der politischen Etappe gequält. Das war Ihnen aber zu heiß – und vielleicht auch zu langweilig.

Warum schreiben Sie eigentlich nur über Politik, statt Politiker zu werden? Sie machen es sich aber wirklich einfach!

Denn wenn die Witzfigur Schlämmer längst vergessen ist, werden Volksvertreter noch immer über Rentenformel und Gesundheitsreform ringen. So ist das nun mal in einer Demokratie.

Oder es wird bald jeder selbst über seine Krankenversicherung entscheiden können, ohne Frau Schmidt in ihrem wohlverdienten Spanienurlaub belästigen zu müssen, weil Witzfiguren wie Horst Schlämmer die Absurdität des politischen und medialen Betriebes beleuchtet haben.

Was bleibt, lieber Herr Schlämmer: Sie sind ein Großmaul, ein Meckerpott, der viel quatscht, aber nichts bewegt.

Das war gemein! Aber wenn Sie so empfinden: Gründen Sie doch eine Betroffenengemeinschaft mit Herrn Schlämmer!

Davon haben wir in Deutschland allerdings wirklich schon genug.

Schön, dass wir zum Ende doch noch zu einer gemeinsamen Ansicht gefunden haben!

Ihr

Hajo Schumacher

Beste Grüße!

 

Ihre Libertäre Plattform

P.S.: Haben Sie den Auftrag zum Artikel jetzt von Hape Kerkeling oder dem Bundespresseamt bekommen? Wir sind da noch etwas unschlüssig…