Die mittlerweile von der Weltgesundheitsorganisation zur Pandemie erklärte Schweinegrippe greift weltweit um sich. Das Robert-Koch-Institut meldete am 30. Juli 2009 5.324 bestätigte Fälle. Das Virus breitet sich insbesondere unter Jugendlichen und Kindern stärker aus. Weltweit werden Maßnahmen ergriffen. Notfallpläne designieren öffentliche Veranstaltungshallen zu Impfzentren. Regierungen kaufen Impfstoffe ein.

Während in Deutschland schon die Schlacht unter den Politikern tobt, wer denn nun für die Kosten flächendeckender Impfungen gegen das Schweinegrippe-Virus H1N1 aufkommen soll, sind grundlegende Fragen noch nicht beantwortet. Denn derzeit gibt es laut der Europäischen Arzneimittelagentur noch gar keinen wirksamen Impfstoff. Die üblichen Impfstoffe gegen saisonale Grippen sind wirkungslos. In der Entwicklung befinden sich derzeit nur provisorische Impfstoffe. Diese basieren auf Virussträngen, die eine Pandemie auslösen könnten. Bei Bedarf werden diese Virusketten dann mit den tatsächlich in dem pandemischen Virus enthaltenen Strängen ersetzt. Mit Hilfe dieser Impfstoffe werden dann die Menschen behandelt, die noch nicht von der Pandemie betroffen sind. Die Pharmaunternehmen befinden sich derzeit erst im Herstellungsprozess eines Impfstoffes. Verfügbar werden die Produkte wohl erst im September 2009 sein. Das im Zusammenhang mit Grippewellen bekannte Tamiflu enthält den Wirkstoff Oseltamivir. Dieser ist nicht wirksam gegen die Schweinegrippe. 98 % aller Virusproben des H1N1-Virus erweisen sich in einer Untersuchung als resistent gegen Tamiflu.

Die Genehmigung des derzeit in klinischen Studien befindlichen endgültigen Impfstoffes wird ebenfalls für den September erwartet. Sie beruht auf den Ergebnissen der bereits erfolgtenTestung des provisorischen Impfstoffes. Für ausführliche klinische Studien wird keine Zeit bleiben. Die europäische Arzneimittelagentur erklärt, dass der Umbau des provisorischen Impfstoffes durch Austausch der Virusstränge keinen wesentlichen Einfluss auf die Sicherheit und Wirksamkeit des endgültigen Impfstoffes haben wird. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass sich die Nebenwirkungen des endgültigen Wirkstoffes erst durch die großflächige Anwendung des Impfstoffes herausstellen werden.

Vor diesem Hintergrund ist politischer Aktionismus völlig unangebracht. Deutschland hat 50 Millionen Dosen des neuen Impfstoffes bestellt und will diese dann bevorraten. Der Vorrat soll nach Angaben der Gesundheitsministerin Ulla Schmidt für Personal im Gesundheitswesen, Polizei, Feuerwehr und die Rettungsdienste verwendet werden. Außerdem sollen Menschen mit Grunderkrankungen geimpft werden. Darunter versteht Frau Schmidt Menschen mit Diabetes, Asthma oder krankhaftem Übergewicht. Welche gesundheitlichen Folgen die Impfung von Menschen mit Grunderkrankungen haben kann, ist völlig unklar. Unklar ist auch, ob es Zwangsimpfungen geben wird.

Eines ist jedoch klar: Krisen lösen die immer gleichen politischen  Mechanismen aus. Politiker werden auf unklarer Faktenlage aktiv, schränken Freiheiten ein und „nehmen Geld in die Hand“, verschwenden also Steuermittel zur Förderung eines imaginativen Gemeinwohls. Die grundlegenden Eckpunkte liberaler Überzeugungen verschwinden wie immer aus dem Blickfeld.

Für seine Gesundheit ist jeder selbst verantwortlich. Das fängt an mit dem regelmäßigen Händewaschen und endet bei der Entscheidung, ob man sich gegen entsprechende Bezahlung von seinen Ärzten impfen lassen will.

Dirk Friedrich

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