Der Neoliberalismus muss heute als Ursache aller möglichen tatsächlichen und vermeintlichen Misstände in der Welt herhalten. Zu den gängigen Vorwürfen gehört, dass Neoliberale die Lebenswelt dem Primat des Marktes unterwerfen würden und ihr sozial ungerechter Turbo-Kapitalismus nun an seinem verdienten Ende angekommen sei.

Diese und weitere Überlegungen basieren auf drei grundlegenden Irrtümern:

Erstens werden die Konsequenzen der interventionistischen Realität dem marktwirtschaftlichen Ideal vorgeworfen. Wir erleben weder die Krise des Laissez-faire-Liberalismus, noch des Neoliberalismus, sondern des Neosozialismus! Es ist der Wohlfahrtsstaat, der immer mehr Lebensbereiche einer polit-ökonomischen Logik unterwirft.

Zweitens scheitern die interventionistischen Alternativen an der Realität, d.h. der Knappheit der Ressourcen und der Unmöglichkeit des Sozialismus, eine funktionierende Wirtschaftsrechnung an die Stelle des Preissystems zu setzen.

Schließlich gehört drittens zu einer funktionsfähigen Marktwirtschaft, dass schlechte Produkte und Unternehmen vom Markt verschwinden. Arbeit und Kapital gelangt dadurch in bessere Verwendungen. Diese kreative Zerstörung ist kein Nachteil, sondern ein Vorteil der Marktwirtschaft. Wer will schon zugunsten der Schreibmaschinenhersteller auf Computer und Internet verzichten oder für ein Brot das Doppelte bezahlen, weil der Bäcker fünf Kinder hat? Diejenigen, die ein vermeintliches Schlaraffenland eines statischen, ewigen Wohlstandes fordern, sind selbst einem stumpfen, ewig gestrigen Ökonomismus verfallen.

Leider gibt es heute keine Neoliberalen mehr. Die echten Neoliberalen waren charismatische Persönlichkeiten und manche sahen sogar gut aus!

Michael von Prollius