Nach dem Skiunfall von Ministerpräsident Dieter Althaus wird in Österreich nun über die Einführung einer Helmpflicht für Skifahrer nachgedacht. Wenigstens für Kinder und Jugendliche will man die Helmpflicht einführen, da das Verletzungsrisiko bei Kindern besonders hoch sei.

Dieser Vorschlag geht nicht weit genug, wir brauchen ein Skifahrverbot, ein Autofahrverbot, und eigentlich sollte jeder Mensch auch nur mit einem staatlich geprüften Lotsen auf die Straße gehen dürfen, solange das letzte Risiko nicht ausgeräumt ist.

Man könnte für Motorräder auch vier Räder vorschreiben, weil vier Räder sicherer sind als zwei. Und dann ein Dach, weil das die Verletzungsgefahr beim Motorradfahren weiter verringert. Warum dann nicht gleich Motorräder verbieten, weil der Unterschied zum Auto dann ohnehin kaum mehr wahrnehmbar ist? Oder Autos verbieten, weil Züge sicherer sind?

Die Krux ist – egal wieviel reguliert wird – es gibt immer eine nächstmögliche denkbare Stufe von Sicherheit, die man mit einer gesetzlichen Regelung theoretisch erreichen könnte. Doch wer möchte in einer Welt völliger Sicherheit leben, in der nichts mehr erlaubt ist?

Das liberale Maß ist Eigenverantwortung. Man sollte tun dürfen, was einen selbst betrifft, und man sollte anderen nicht vorschreiben, was nur diese betrifft. Wer einen Helm beim Fahrradfahren oder Skifahren für sinnvoll hält, der ziehe einen auf! Wer gekonnt Ski fährt und sich lieber den Wind um die Ohren flattern lässt, der soll dies tun.

Der Tod der Skifahrerin, mit der Dieter Althaus zusammengestoßen ist, ist tragisch. Doch es lag in ihrer Verantwortung und es war ihre eigene Entscheidung, ohne Helm zu fahren. Dieter Althaus hatte sich entschieden, einen Helm zu tragen.

Nun dürfte spätestens durch diesen Todesfall jedem bewusst geworden sein, dass ein Helm unter gewissen Umständen einen höheren Schutz bieten kann. Soll trotzdem zusätzlich noch denjenigen Leuten vorgeschrieben werden, einen Helm zu tragen, die dies wissen und trotzdem vorziehen, ohne Helm Ski zu fahren? Oder die anderen Freizeitbeschäftigungen wie Bergsteigen nachgehen, die per se einen Teil des Reizes aus der Gefahr ziehen?

Dann sollte man zumindest konsequent sein und zusätzlich zum populistischen Nachziehen von Gesetzen bei tagesaktuellen Unglücken auch gleich alles verbieten, was ein gleichhohes oder höheres Risiko beinhaltet als Skifahren ohne Helm. Willkommen im Totalitarismus.

Ein Problem ist allerdings, dass Politiker Systeme wie die gesetzliche Krankenversicherung konstruiert haben, bei denen die einen für das Fehlverhalten von anderen zwangsweise mitbezahlen. Diese Systeme sind nicht nur ineffizient, sie fördern risikoreiches Verhalten systematisch. In einem marktwirtschaftlichen Versicherungssystem würde Herr Althaus für eine Unfall- und Krankenversicherung, die das Skifahren ohne Helm erlaubt, schlicht höhere Prämien bezahlen, in denen das höhere Risiko miteinberechnet ist. Falls die Versicherung in diesem Punkt nicht differenzierte, wäre dies ein Hinweis darauf, dass es sich nicht lohnt, das Risiko des Skifahrens ohne Helm separat zu kalkulieren. Diese Erkenntnis würde dann aber auch eine generelle Helmpflicht in Frage stellen.

Werner Weidenbach

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