Die Maßnahmen gegen die Finanzkrise lassen nichts Gutes ahnen. Die Interventionisten, die diese Krise verursacht haben, rufen nach noch mehr Staat (und meinen dabei „Regierung“) und nach noch mehr Regularien. Für die Sozialisten ist gar der Untergang des Kapitalismus und ein Ende des Neoliberalismus gekommen. Die Parteien, die Medien, die meisten Wirtschaftsinstitute und Professoren, sie alle blasen in das gleiche Horn.

Wir hatten und haben es beim Finanzmarkt nicht mit einem freien Markt zu tun; die Regierungen und Notenbanken geben den Markt vor und greifen unentwegt ein.

  • Erstens ist das Produkt dieses Marktes, das Geld, staatlich monopolisiert. Damit fehlt das für einen liberalen Markt notwendige Ausweichgut und damit jeder Wettbewerb.
  • Zweitens wird der Preis für dieses Quasiprodukt über den Leitzins festgelegt. Wesensmerkmal des liberalen Marktes ist aber eine Preisfindung durch Angebot und Nachfrage.
  • Drittens wird das Produkt Geld durch ständige Erhöhung der Geldmenge inflationiert, ohne dass dem ein Gegenwert gegenüber stünde (sogenanntes Papiergeld).

Der Finanzmarkt wird mit neuem Geld zu günstigen Zinsen versorgt. Dies lädt gerade dazu ein, als Spielgeld im “Kasinokapitalismus” eingesetzt zu werden; die Kreditblase entsteht.

Vor allem die Erhöhung der Geldmenge und die damit verbundene ständige Teuerung (Preissteigerung) ist das größte Übel dieser Finanzpolitik. Es gibt dabei drei hauptsächliche Schuldige:

  • Die Zentralbanken, die mit ihrer Offenmarkt- und Zinspolitik die Kreditnachfrage steuern; sie sind Inflationstreiber.
  • Die Regierungen mit ihrer Staatsverschuldung, die ständig die Geldmenge erhöhen.
  • Die Geschäftsbanken, die aus den Einlagen ihrer Kunden ein Vielfaches der Geldmenge durch die Vergabe von Krediten zaubern.

Roland Baader hat den Prozess der Geldmengenerhöhung in einem Beitrag für ef-online anschaulich am Beispiel der FED dargestellt:

„Schauen wir uns die Entstehung von Luftgeld einmal am Beispiel der FED an: Das Schatzamt der Vereinigten Staaten stellt einen Staats-Schuldschein aus und verkauft diesen an eine Bank X gegen entsprechende Überweisung auf das Treasury-Konto – erstes Herbeizaubern von Luftgeld. Bank X hat nun also eine verbriefte Forderung an den USStaat. Sie verkauft diese Forderung (also den Schuldschein) an die Zentralbank (FED). Die FED richtet der Bank X im Gegenzug ein Guthaben ein – zweites Herbeizaubern von Luftgeld. Bei einem Mindestreservesatz von 10 Prozent verleiht Bank X 90 Prozent ihres neuen Guthabens an andere Banken. Diese Banken haben nun neue Sichteinlagen und können wiederum je 90 Prozent davon an ihre Kunden ausleihen – dritter Luftgeld-Zauber. Wenn die Kunden mit ihren Kreditgeldern Überweisungen vornehmen, etwa zur Bezahlung von Handwerker-Rechnungen, dann können auch diese Empfängerbanken 90 Prozent davon als Darlehen vergeben – vierter, fünfter und sechster Lufgeldzauber, und so weiter… So entsteht also das „easy money“ kaskadenartig, ohne dass dahinter ein echter Sachwert stünde. (Der Prozess kann natürlich auch durch direkte Verkäufe von Staatsschuldscheinen an die Zentralbank eingeleitet werden).“

Wenn es nicht dieses unendlich vermehrbare Papiergeld gäbe, könnten auch keine Haushaltsdefizite oder eine Überexpansion von Krediten entstehen. Die Geldmenge wäre immer die Gleiche, es gäbe keine Preisinflation. Dann wären aber auch die Zentralbanken und die Zinspolitik überflüssig. Die heutige wertvernichtende Finanzkrise hätte es dann auch nicht gegeben.

Es ist nicht so, als ob dies alles neu wäre. Der Ökonom und Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek hat in seinem Werk „Entstaatlichung des Geldes“ (engl. Original: “Denationalization of Money”) bereits darauf hingewiesen. Den Schluss den Buches sollten wir uns wieder vor Augen führen: Er schlägt vor, dass wir das staatliche Monopol auf Geld aufheben sollten, dies deute “den einzigen Weg an, auf dem wir noch hoffen können, der anhaltenden Entwicklung aller Regierungen in Richtung auf den Totalitarismus Einhalt zu gebieten, der vielen scharfen Beobachtern als unvermeidbar erscheint. Ich wünschte, ich könnte den Rat geben, langsam vorzugehen. Aber die Zeit mag kurz sein.“

Sein Lehrer Ludwig von Mises hat lange vor ihm geschrieben: „Es gibt keinen Weg, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu vermeiden, der durch Kreditexpansion erzeugt worden ist. Die Alternative kann nur sein: Entweder die Krise kommt früher – als ein Ergebnis der freiwilligen Einstellung der Kreditexpansion – oder später als eine finale und totale Katastrophe des betreffenden Währungssystems.“

Aber anstatt die richtigen Schlüsse zu ziehen, wird noch stärker in den Markt eingegriffen. Die Regierungen erhöhen erneut die Geldmenge, heizen die Inflation an und lassen somit eine noch größere Blase entstehen. Damit soll wohl auch die eigene Schuld, sofern sie denn erkannt wird, verschleiert werden.

Es wird aber kein noch so straffes und lückenloses Kontrollsystem in der Lage sein, auf Dauer einen endgültigen Zusammenbruch zu verhindern. Die Alternative ist nicht mehr, sondern weniger Einfluss der Regierungen.

Nachtrag:
Angela Merkel sagte heute im Bundestag: “Die Gefahr für die Finanzmarktstabilität sei “noch nicht gebannt”, aber der Staat greife jetzt “hart durch”. Es gehe um “Strukturen für eine menschliche Marktwirtschaft”, auch darum, Lehren aus den jüngsten Ereignissen zu ziehen.”

Dies kann keine Regierung erreichen, nur der liberale Markt ist in der Lage, einen Ausgleich zwischen den Vertragsparteien zu schaffen.

Werner Weidenbach